Sexy unplugged

Epilog

 

Das Grandiose an Familienbanden ist der Zusammenhalt. Insbesondere in Krisensituationen merkt man, dass Blut dicker ist als Wasser. Ich würde für meine Familie durchs Feuer gehen. Und umgekehrt ebenso. Das ist einer der Gründe, warum ich wie ein Maikäfer auf dem Rücken im Dreck liege und mich keinen Millimeter bewegen kann. Arme, Beine, nicht mal die Finger können wackeln, denn sie werden von geschätzten zwei Zentnern Muskelmasse am Boden gehalten.
   Über uns kreischen Vögel am wolkenfreien Himmel, als wollten sie mich verspotten. Ein leichter Wind fährt unter mein Shirt und beschert mir eine Gänsehaut, die ich geflissentlich ignoriere. Meine Aufmerksamkeit gilt einzig und allein dem süffisant grinsenden Idioten über mir.
   Owen bewegt sich, wobei er lediglich sein Gewicht verlagert und mir kaum mehr Bewegungsfreiheit gönnt. Er genießt die Situation sichtlich, und das macht mich fuchsteufelswild.
   Seine Stimme fegt über mich hinweg wie rauchiger Single Malt Whisky. »Hm, wer hätte gedacht, dass unter den schlabbrigen Klamotten so heiße Kurven schlummern«, schnurrt er.
   Sein wildledernes Westernhemd streift mein XXL- Shirt. Ich reiße die Augen auf. Meine Brustwarzen werden hart, was sich beim besten Willen nicht verhindern lässt, und drücken gegen den Stoff meines BHs. Ich beiße die Zähne zusammen, um nicht nur meine Wut unter Kontrolle zu bringen. Was fällt dem Kerl ein?
   Vergebens ruckle ich mit dem Oberkörper und versuche zu vergessen, dass eine Meute Schaulustiger uns sensationslüstern beobachtet und eine Fernsehkamera meine Schmach für alle Ewigkeit in Bild und Ton festhält.
   »Runter von mir!«, gifte ich.
   »Na, na, wer wird denn gleich so aggressiv werden?«
   Aggressiv? Echt jetzt?
   »Ich habe noch nicht mal angefangen, aggressiv zu werden! Aber wenn du es darauf anlegst ...«
   Meine Augen sprühen Funken. Owen zeigt sich unbeeindruckt. Wenn überhaupt, dann amüsiert er sich über mich. Plötzlich verändert sich sein Ausdruck und es kommt etwas zum Vorschein, mit dem ich nicht gerechnet habe. Etwas, das mich ebenso ärgert wie es meinen Pulsschlag beschleunigt. Eine Mischung aus Spott und ... Begehren? Kann das sein?
   »Wir tragen das irgendwann zwischen uns aus«, flüstert er dunkel, während er die neben meinem Kopf aufgestützten Arme leicht beugt, damit er mein Ohr erreichen kann. »Bald ...«
   Sein warmer Atem kitzelt meine Haut. Ungewollt stellen sich die Härchen in meinem Nacken auf. Und dann spüre ich es. Überdeutlich. Groß und hart drückt es gegen meinen Hüftknochen. An einer zentralen Stelle, an der es sich bis eben noch nicht befunden hat. Zumindest nicht in dieser Größe, da bin ich mir sicher.
   Ist das etwa ... eine Erektion?
   »Runter von mir!«, zische ich. »Sofort!«

 

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© Autorin Lucia Vaughan